Die Ergebnisse unserer Fachtagung mit einer Podiumsdiskussion zum Thema der Antidiskriminierungsarbeit vom 20.02.2019 in Augsburg

Am 20.02.2019 fand in Augsburg auf die Einladung des Integrationsbeirates eine Podiumsdiskussion über eine mögliche kommunale Antidiskriminierungsstelle in Augsburg statt. Zum Teil europaweit anerkannte, renommierte Referenten wie Herr Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik (Universität Erlangen- Nürnberg), Frau Dr. Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle „Für Demokratie-gegen Rechtextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ (München) sowie Herr Hamado Dipama, Referent der AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer- Migranten und Integrationsbeiräte Bayern) für Antidiskriminierungs- und Antirassismusarbeit, gaben wichtige Anstöße und Informationen über die deutschlandweite bis hin zur kommunalen Antidiskriminierungsarbeit.

Die stellvertretende Vorsitzende des Integrationsbeirats Frau Didem Karabulut unterstrich die Wichtigkeit einer solchen Anlaufstelle für Betroffene, um sie mit ihrer Frustration nicht alleine zu lassen. Letztendlich hat eine derartige Einrichtung den besseren und harmonischeren Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft im Fokus. Augsburg als die drittgrößte Stadt Bayerns mit über 45% Mitbürger, die eine Migrationsgeschichte haben, braucht deshalb unbedingt eine Antidiskriminierungsstelle genauso wie München, Erlangen oder Nürnberg. Der Bedarf ist groß

– wie eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt.

Ergebnisse der Tagung:

Bayern steht noch am Anfang einer ernsthaften von der Zivilgesellschaft und Politik unterstützten Antidiskriminierungsarbeit.

Wenn Augsburg auch eine kommunale Antidiskriminierungsstelle etabliert, dann kann sich die Stadt mit den anderen Städten verbinden und ein bayernweites Antidiskriminierungsziel verfolgen sowie andere Kommunen implementieren.

Die Initiative, solche Anlaufstellen für Betroffene zu errichten ging bis jetzt von den jeweiligen Integrationsbeiräten dieser Städte aus und zeigt wie wichtig die Arbeit dieser Beiräte für eine demokratische Gesellschaft ist.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) allein kann ohne die entsprechende Unterstützung vor Ort nicht wirklich funktionieren, da es auch nach zwölf Jahren seit es dieses Gesetzt gibt an sinnvollen Strukturen fehlt, die die Einhaltung überwachen und einfordern bzw. Änderungen für Optimierungen anstoßen.

So sinken die Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch bei Personen mit ausländisch klingendem Namen gegenüber deutschen Namen um 30 bis 40 %. Oder es werden in Vorstellungsgesprächen unzulässige Fragen gestellt, die gezielt Personen, sei es wegen ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder

sexueller Orientierung diskriminieren. Solche betroffenen Personen können sich an die Antidiskriminierungsstelle wenden, um gehört, geholfen und beraten zu werden.

Deshalb geht auch die von dem Integrationsbeirat Augsburg vorgeschlagene Antidiskriminierungskultur weit über das AGG hinaus. Jedoch, um diese Kultur zu etablieren, braucht es fest etablierte Strukturen, wie einer Antidiskriminierungsstelle vor Ort.

Aus der Diskussion ging hervor, dass eine solche Anlaufstelle auf qualifizierte hauptamtliche Mitarbeiter angewiesen ist. Ehrenamt kann hier wenig helfen und erreichen.

Brauchen wir eine Antidiskriminierungsstelle in Augsburg? Für den Integrationsbeirat Augsburg und seinem Dachverband AGABY als auch für alle Betroffenen stellt sich die Frage nicht! Sie fragen sich, warum Augsburg bis jetzt noch über keine Anlaufstelle für Betroffene verfügt?


Der Augsburger Integrationsbeirat bedankt sich ganz herzlich bei allen Referenten und der guten Moderation von Herrn Dr. Hubertus Schröer sowie den zahlreichen Gästen für eine informative und gelungene Fachtagung!